Kuno Heribert Vollet    


Kuno Vollet and David Lynch, Los Angeles, 2012



Cover Mundusmagazin


 

Life is balance

David Lynch, Kuno Vollet and the art of unintentional creativity
Mundus Magazin 4/2013, author: LENA NAUMANN

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Homepage David Lynch





Cover des Buches GOLDWORKS mit Arbeiten von Kuno Vollet – erschienen im Mundus-Verlag



Cover Mundusmagazin


 

Universes of lively silence

The abstract gold works of Kuno Heribert Vollet

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Mobile 9 mundgeblasenes Glas mit oxidierten Messingstäben 250 x 250 cm


 

Kuno Heribert Vollet bei GERDI GUTPERLE 2016

coming soon







 

Ein Spiel wird lesbar

Bücher, die einen geprägt haben, könnte man eigentlich weg schenken. Man liest sie nicht mehr, muss sie nicht mehr lesen, denn sie stecken in einem selber drin. Im Regal stehen sie noch, gemeinsam mit den Hunderten, Tausenden, die später kamen, als Erinnerung daran, was Lesen einmal war, oder als Mahnung, was Lesen sein sollte. Betrachtet man ihren Rücken, geht immer noch ein besonderes Leuchten von ihnen aus. Manchmal wird, wie beim Geschmack jener in Tee getränkten Madeleines bei Marcel Proust, eine unwillkürliche Erinnerung hervorgerufen. An eine bestimmte Lebenssituation, den Beginn oder das Ende einer Beziehung etwa, einem Bruch, einem Neubeginn. Oder an den Augenblick einer bedeutenden Erkenntnis, an einen Gedankenblitz, eine Wende im Kopf, das Erreichen eines neuen Levels im Spiel unserer Biografie.

Nehmen wir Schiller, den Klassiker unter meinen Lieblingsbüchern. Vom „Doppelsinn des Lebens“ spricht sein Wallenstein im berühmten Monolog. Er meint damit die grundlegende Paradoxie, mit jeder Tat den Spielraum des Tuns einzuschränken, mit jeder Entscheidung für einen bestimmten Weg andere auszuschließen. „Wär''s möglich? Könnt'' ich nicht mehr, wie ich wollte? / Nicht mehr zurück, wie mir''s beliebt?“ Als ich Anfang zwanzig war, und im Studium erstmals auf die klassischen Dramen Schillers und Goethes stieß, da erzeugten Verse wie diese eine verblüffende Erkenntnis. Aber noch verblüffender, für einen literarischen Spätzünder und Bildungsaufsteiger wie mich jedenfalls, war die Erfahrung, dass solche existenziellen Fragen des Lebens überhaupt in Büchern, in Dramen, in Romanen, in Gedichten verhandelt wurden. Dass ein gut zwei Jahrhunderte alter Text, ein Bildungsgut, nicht nur Zugang zu einer akademischen Elite verschaffte, sondern selbst ein echtes Bildungserlebnis sein konnte. Jeder Leser hatte angeblich eine Hesse-Phase oder eine Tolkien-Phase (heute vielleicht eher eine Harry-Potter-Phase), ich hatte eine Schiller-Phase. Die ging allerdings bald in die Max-Frisch-Phase über.

Das war kein Zufall, denn Frisch arbeitete sich zeitlebens an Wallensteins Problem ab: dass jede Verwirklichung die Möglichkeiten einschränkt und selbst ein bloßes Rollenspiel Fakten schafft: Weil wir werden, was die anderen in uns sehen. Frischs Drama „Biografie: Ein Spiel“ ist ein Experiment, bei dem die Hauptfigur die Möglichkeit bekommt, vergangene Lebensentscheidungen zu revidieren, tatsächlich ungeschehen zu machen, mit allen Konsequenzen. Und er stellt fest, dass sein Leben doch immer wieder auf die gleiche existenziell schiefe Bahn gerät. „Mein Name sei Gantenbein“ war der späte Roman, in dem Frisch die Themen seines Lebens zusammenfasste: Wie sehr wählen wir unser eigenes Leben? Bestimmen wir wirklich, was wir sind, oder verklären wir nachträglich die Zufälligkeit des Lebens, die Bedingungen der Herkunft und die Schicksalsschläge zu einer inneren Folgerichtigkeit, zu einer heroischen Selbstbestimmung gegen alle Widerstände?

Viele meiner Lieblingsbücher arbeiten sich an solchen Fragen ab: Der große Niederländer A.F.Th. van der Heijden beispielsweise, von dessen Romanen hier nur einer als Teil für das Ganze steht. Geschichten vom Erwachsenwerden haben mich stets fasziniert, ebenso wie solche vom späten Wiederbegegnungen mit der eigenen Jugend, etwa in Iris Murdochs Meisterwerk „Das Meer, das Meer“ oder Martin Klugers „Abwesende Tiere“. Auch Gedichte sind unter den Lieblingsbüchern, von Gottfried Benn, von Sarah Kirsch und Marion Poschmann, hier ist es manchmal nur eine Zeile oder ein Bild, die in einem unerwarteten Moment ins Bewusstsein schießen.

Einzelne Werke war nachdrückliche Bildungserlebnisse, in intellektueller wie politisch-moralischer Hinsicht: Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, Elias Canettis Autobiografie „Die gerettete Zunge“ oder Ruth Klügers erschütternde Erinnerungen an ihre Jugend im Konzentrationslager. Andere wiederum lehrten den angehenden Kritiker die Möglichkeiten der Sprache und des Erzählens – wie Vladimir Nabokov und Claude Simon. Schließlich gibt es noch jene, den vermeintlich routinierten Profileser erst in jüngerer Zeit kalt und auf dem falschen Fuß erwischten. Zuletzt war das bei Clemens J. Setz der Fall oder beim Norweger Karl Ove Knausgård. Und wenn das nicht hin und wieder geschehen würde, dann hätte ein Kritiker wohl seine Berufung verfehlt.

Ein Gemälde mit Büchern ist ein Paradox. Die abstrakt in Sprache und Erzählung verschlüsselten Inhalte kann die unmittelbare Sinnlichkeit der Malerei nur verfehlen. Aber es geht gar nicht um das einzelne Werk. Auch eine gemalte Liste ist als Kunstwerk mehr als die Summe seiner Teile. Ist ein Stillleben mit Lieblingswerken nicht eigentlich ein Porträt des Lesers, ein Blick in sein Gehirn, auf dem mehr zu erkennen ist als auf jeder Computertomografie? Wenn ich das Bild betrachte, dann entsteht in meinem Kopf wieder ein neues Buch: meine Lesensgeschichte, meine Lebensgeschichte.

Richard Kämmerlings, geboren 1969 in Krefeld, arbeitet seit zwanzig Jahren als Literaturkritiker. Er ist Redakteur der „Welt“ und der „Welt am Sonntag“ und leitet die Beilage „Die literarische Welt“. 2011 erschien sein Buch „Das kurze Glück der Gegenwart. Deutschsprachige Literatur seit ’89“.', 'Bücher, die einen geprägt haben, könnte man eigentlich weg schenken. Man liest sie nicht mehr, muss sie nicht mehr lesen, denn sie stecken in einem selber drin. Im Regal stehen sie noch, gemeinsam mit den Hunderten, Tausenden, die später kamen, als Erinnerung daran, was Lesen einmal war, oder als Mahnung, was Lesen sein sollte. Betrachtet man ihren Rücken, geht immer noch ein besonderes Leuchten von ihnen aus. Manchmal wird, wie beim Geschmack jener in Tee getränkten Madeleines bei Marcel Proust, eine unwillkürliche Erinnerung hervorgerufen. An eine bestimmte Lebenssituation, den Beginn oder das Ende einer Beziehung etwa, einem Bruch, einem Neubeginn. Oder an den Augenblick einer bedeutenden Erkenntnis, an einen Gedankenblitz, eine Wende im Kopf, das Erreichen eines neuen Levels im Spiel unserer Biografie.

Nehmen wir Schiller, den Klassiker unter meinen Lieblingsbüchern. Vom „Doppelsinn des Lebens“ spricht sein Wallenstein im berühmten Monolog. Er meint damit die grundlegende Paradoxie, mit jeder Tat den Spielraum des Tuns einzuschränken, mit jeder Entscheidung für einen bestimmten Weg andere auszuschließen. „Wär''s möglich? Könnt'' ich nicht mehr, wie ich wollte? / Nicht mehr zurück, wie mir''s beliebt?“ Als ich Anfang zwanzig war, und im Studium erstmals auf die klassischen Dramen Schillers und Goethes stieß, da erzeugten Verse wie diese eine verblüffende Erkenntnis. Aber noch verblüffender, für einen literarischen Spätzünder und Bildungsaufsteiger wie mich jedenfalls, war die Erfahrung, dass solche existenziellen Fragen des Lebens überhaupt in Büchern, in Dramen, in Romanen, in Gedichten verhandelt wurden. Dass ein gut zwei Jahrhunderte alter Text, ein Bildungsgut, nicht nur Zugang zu einer akademischen Elite verschaffte, sondern selbst ein echtes Bildungserlebnis sein konnte. Jeder Leser hatte angeblich eine Hesse-Phase oder eine Tolkien-Phase (heute vielleicht eher eine Harry-Potter-Phase), ich hatte eine Schiller-Phase. Die ging allerdings bald in die Max-Frisch-Phase über.

Das war kein Zufall, denn Frisch arbeitete sich zeitlebens an Wallensteins Problem ab: dass jede Verwirklichung die Möglichkeiten einschränkt und selbst ein bloßes Rollenspiel Fakten schafft: Weil wir werden, was die anderen in uns sehen. Frischs Drama „Biografie: Ein Spiel“ ist ein Experiment, bei dem die Hauptfigur die Möglichkeit bekommt, vergangene Lebensentscheidungen zu revidieren, tatsächlich ungeschehen zu machen, mit allen Konsequenzen. Und er stellt fest, dass sein Leben doch immer wieder auf die gleiche existenziell schiefe Bahn gerät. „Mein Name sei Gantenbein“ war der späte Roman, in dem Frisch die Themen seines Lebens zusammenfasste: Wie sehr wählen wir unser eigenes Leben? Bestimmen wir wirklich, was wir sind, oder verklären wir nachträglich die Zufälligkeit des Lebens, die Bedingungen der Herkunft und die Schicksalsschläge zu einer inneren Folgerichtigkeit, zu einer heroischen Selbstbestimmung gegen alle Widerstände?

Viele meiner Lieblingsbücher arbeiten sich an solchen Fragen ab: Der große Niederländer A.F.Th. van der Heijden beispielsweise, von dessen Romanen hier nur einer als Teil für das Ganze steht. Geschichten vom Erwachsenwerden haben mich stets fasziniert, ebenso wie solche vom späten Wiederbegegnungen mit der eigenen Jugend, etwa in Iris Murdochs Meisterwerk „Das Meer, das Meer“ oder Martin Klugers „Abwesende Tiere“. Auch Gedichte sind unter den Lieblingsbüchern, von Gottfried Benn, von Sarah Kirsch und Marion Poschmann, hier ist es manchmal nur eine Zeile oder ein Bild, die in einem unerwarteten Moment ins Bewusstsein schießen.

Einzelne Werke war nachdrückliche Bildungserlebnisse, in intellektueller wie politisch-moralischer Hinsicht: Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, Elias Canettis Autobiografie „Die gerettete Zunge“ oder Ruth Klügers erschütternde Erinnerungen an ihre Jugend im Konzentrationslager. Andere wiederum lehrten den angehenden Kritiker die Möglichkeiten der Sprache und des Erzählens – wie Vladimir Nabokov und Claude Simon. Schließlich gibt es noch jene, den vermeintlich routinierten Profileser erst in jüngerer Zeit kalt und auf dem falschen Fuß erwischten. Zuletzt war das bei Clemens J. Setz der Fall oder beim Norweger Karl Ove Knausgård. Und wenn das nicht hin und wieder geschehen würde, dann hätte ein Kritiker wohl seine Berufung verfehlt.

Ein Gemälde mit Büchern ist ein Paradox. Die abstrakt in Sprache und Erzählung verschlüsselten Inhalte kann die unmittelbare Sinnlichkeit der Malerei nur verfehlen. Aber es geht gar nicht um das einzelne Werk. Auch eine gemalte Liste ist als Kunstwerk mehr als die Summe seiner Teile. Ist ein Stillleben mit Lieblingswerken nicht eigentlich ein Porträt des Lesers, ein Blick in sein Gehirn, auf dem mehr zu erkennen ist als auf jeder Computertomografie? Wenn ich das Bild betrachte, dann entsteht in meinem Kopf wieder ein neues Buch: meine Lesensgeschichte, meine Lebensgeschichte.

Richard Kämmerlings, geboren 1969 in Krefeld, arbeitet seit zwanzig Jahren als Literaturkritiker. Er ist Redakteur der „Welt“ und der „Welt am Sonntag“ und leitet die Beilage „Die literarische Welt“. 2011 erschien sein Buch „Das kurze Glück der Gegenwart. Deutschsprachige Literatur seit '89"

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Galerie artroom 21, 2015

Die junge Galerie für ausgewählte Kunst.

A-6020 Innsbruck, Gutenbergstraße 3
Tel. 0512/567101, Fax 567233
www.artroom21.com

Download Katalogseiten, Art Innsbruck 2015, Galerie artroom21





Creatio continua Nr. 3



Cover Mundusmagazin


 

Neue Arbeiten von Kuno Vollet

LENA NAUMANN

"Ist auch dein Kreis unscheinbar, eng und klein, erfülle ihn mit deinem ganzen Wesen, bestrebe dich, ein guter Mensch zu sein", schreibt der griechische Dichter Homer im 8. Jh. vor Christus. Diese Textstelle ist das älteste Zeugnis der abendländischen Literaturgeschichte, die den Kreis als einen Raum darstellt, in dem sich individuelles Leben vollzieht. Noch heute ist der Begriff vom Lebenskreis sprichwörtlich. Die indische Philosophie kennt dafür ein ganz eigenes Symbol: das Mandala. Der Mensch entspringt mit der Geburt aus dem Mittelpunkt des Kreises, bewegt sich bis zum äußeren Rand, der symbolisch für die Blüte des Lebens steht, um danach im Tod wieder einzutauchen in die Mitte.

Der Kreis mit seinem Mittelpunkt gehört zu den Ursymbolen des Lebens. Er kann gedacht werden als ein Punkt, der sich aufbläst, die Dimensionen von Zeit und Raum in sich hineinfließen lässt, um sich anschließend wieder in sich selbst zurückzuziehen. Die Mandalaform findet sich in der Atomphysik im Tanz der Elektronen um einen Kern ebenso wie in der Zelle als Grundbaustein organischen Lebens, die alle Informationen für ihre vielfältigen Strukturen und Funktionen aus dem in ihr ruhenden Kern erhält. In jedem Sonnensystem und Spiralnebel begegnet uns dieses Urmuster des Universums ebenso wie in Blütenkelchen, Wasserstrudeln, Schneckenhäusern und Wirbelstürmen...

Download: mundus 1/16





Creatio continua Nr. 4


 

Galerie artroom 21, 2016

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